Was man im Umgang mit Wissenschaft wissen sollte

Der Einfluss der Wissenschaft auf unseren Alltag hat im Zuge der Pandemie stark zugenommen. Daher wollen wir einen genaueren Blick auf die Wissenschaft werfen. Wie wichtig ist ihre Freiheit? Wo liegen ihre Aufgaben und Grenzen? Hier die Aussagen der CONVOCO! Denker:innen zusammengefasst zum Thema.

Aufgaben und Grenzen der Wissenschaft

Wissenschaft hat eine Aufgabe zu kommunizieren. Wissenschaft darf nicht nur forschen, sie muss ihre Ergebnisse auch erklären.

Wissenschaftler:innen, die sich berufen fühlen, politische Entscheidungen herbeizuzwingen, überdrehen und verkennen die Grenzen der eigenen Aufgabe. Man muss darstellen, was man weiß. Und man muss genauso darstellen, was man noch nicht weiß.

Es gibt zwei Extrempositionen, die man vermeiden muss. Das eine ist die Position, von der Wissenschaft sehr schnell klare und allgemeingültige Antworten zu erwarten. […] Das andere Extrem liegt darin, dass man die Wissenschaftler letztlich auch nur als Interessenvertreter sieht, die eine politische, ökonomische oder persönliche Agenda verfolgen. 

Es gilt, die Bedeutsamkeit des Zweifels anzuerkennen. Und das weiß nur jemand, der sich in der Sache auf das einlässt, worum es geht und nicht begierig ist, irgendwelchem Offenbarungswissen zu folgen. 

Wissenschaft ist nicht dazu da, Konsens herzustellen, sondern die allgemeine Befähigung zum Leben. 

C! Edition: Neue Konstellationen der Gegenwart: Annäherungen, Institutionen und Legitimität

Es ist wichtig, zukünftig die Bevölkerung in Form verschiedener Interessengruppen in transdisziplinären Forschungsvorhaben zu beteiligen. Aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen von Pandemien reicht die wissenschaftliche Einbeziehung verschiedener Disziplinen (Interdisziplinarität) alleine nicht aus. – Lothar H. Wieler – 

Was ist Wissenschaft?

Das wissenschaftliche Weltverständnis heißt, sich prinzipiell auf die Bemeisterung der Bedingungen, die wir nicht beherrschen können – also die problematisch sind – einzulassen.  – Bazon Brock –

Wissenschaft bedeutet, die eigene Hypothese zu widerlegen. Man muss wissen, was falsch ist, dann weiß man immer noch nicht, was wahr ist, aber das ist der Weg der Wissenschaft. […] Man kommt nur auf die Spuren der Wahrheit, indem man das, was man vermutet, als haltlos darstellt.– Bazon Brock –

Wissenschaftlicher Fortschritt beruht nicht nur auf Spezialisierung, sondern auch auf Überblickwissen. – Prof. Dr. Jürgen Renn – 

Die Wissenschaft ist nicht die Krone der Erkenntnis, sondern eine Erzählform unter anderen. Wir müssen uns erinnern, dass durch die Wertprämissen, die in den wissenschaftlichen Prozess einfließen, eine Scheinobjektivität vorgebracht wird, wenn diese nicht reflektiert wird. – Timo Meynhardt – 

Freiheit und Wissenschaft

Wir haben in Deutschland und in den meisten westlichen Ländern im Kern noch eine große Anerkennung der Wissenschaftsfreiheit; und zwar auch der Wissenschaft als einer zweckfreien und grundlagenorientierten Wissenschaft, in der die Wissenschaft ihre Themen selber wählt. – Wolfgang Schön –

Wer die Revolution der Aufklärung in einer Gesellschaft im Kern nicht nachvollzogen hat oder ablehnt, der wird eben auch mit Wissenschaftsfreiheit nicht viel anfangen können. – Wolfgang Schön –

Wissenschaft in der Öffentlichkeit

Hier ein Audio-Auschnitt zum Thema: 

Fake News und Wissenschaft

In der Vergangenheit waren für breite Teile der Gesellschaft wissenschaftliche Fortschritte noch verstehbar. Wenn die Wissenschaft immer weniger verstehbar wird, dann neigen die Menschen dazu, sich allgemeinverständlichen aber vielleicht falschen und altmodischen Theorien hinzugeben. – Wolfgang Schön –

Die Verschwörungstheorien setzen darauf, in einer alternativen Faktenwelt zu leben. Die Wissenschaft muss eine Tatsachengrundlage für den öffentlichen Diskurs bereitstellen. – Wolfgang Schön –

Durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt haben wir lange Zeit gedacht, wir können uns mit wissenschaftlichen Argumenten Diskurshoheit verschaffen. Jetzt müssen wir sagen: Kognition und Emotion wirken doch enger zusammen, als wir dachten. Der Gedanke kommt nach dem Gefühl. – Timo Meynhardt –

Wissenschaft und Wirtschaft in Deutschland und international

Was wir in Europa erleben, und das ist noch eine harmlose Form, ist eine stückweise Unterwerfung der Wissenschaft unter wirtschaftliche und andere politische Ziele. – Wolfgang Schön –

China ist ein Land, das die Naturwissenschaften massiv fördert, aber die sozial- und geisteswissenschaftlich kritische Tendenz immer weiter zurückfährt. – Wolfgang Schön –

Es gibt kaum ein Land [Deutschland] mit so viel wissenschaftlicher Potenz und technologischem Know-how, aber auch kaum ein Land mit so viel spätromantischer Technikfeindlichkeit und einer Grundsatzskepsis gegenüber dem Fortschritt. – Wolfgang Schön –

Gerade durch die enge Verbindung zwischen Kapital und dem Wissen, das in den Universitäten erzeugt und dann in marktfähige Produkte umgesetzt wird, gibt es einen verstärkenden Wachstumskreislauf.

Es ist schon länger bekannt, dass wir aus unserer hoch qualitativen Forschung mehr Innovation und damit mehr Unternehmensgründungen erzeugen müssen.  

C! Edition: Neue Konstellationen der Gegenwart: Annäherungen, Institutionen und Legitimität
 In Ländern wie den USA oder Israel erleben wir, dass für eine stabile Innovationskultur insbesondere der intensive Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Staat erfolgversprechend ist. In Deutschland und Europa müssen wir in dieser Hinsicht noch Berührungsängste abbauen.

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