Was C! DenkerInnen hoffen und befürchten

Meine größte Befürchtung ist, dass die Menschen vergessen das wertzuschätzen, was die Zivilisation bereits erreicht hat. Und vieles jetzt zerstört wird, das für unser Zusammenleben wertvoll ist. 

Meine größte Hoffnung ist, dass die Weltgemeinschaft erkennt, dass man Herausforderungen wie Klima, Ungleichheit, Gesundheit nur durch Kooperation begegnen kann, dass man das Nebeneinander von Kulturen anerkennt und dass die Staatengemeinschaft es fertigbringt, universell geltende Regelwerke zu erstellen, die helfen, einen globalen Standard festzusetzen; also ein Schritt weiter im Ziel auf eine einheitliche Welt. – Corinne M. Flick –

Meine größte Befürchtung sind Entsolidarisierungseffekte zwischen den Generationen durch die Krise.

Meine größte Hoffnung ist eine Einsicht in die gegenseitige Abhängigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft und damit verbunden vielleicht auch eine gewisse Entschleunigung, ein Überdenken unserer Lebensformen – mehr Lebensqualität durch Mäßigung. – Timo Meynhardt –

Timo Meynhardt

My biggest fear is that this crisis is a moment of truth. Are our institutions, our health care system, our liberal democracy, our economy, and our EU strong enough to withstand the trials of the pandemic? I am confident that we will prevail, but it requires disciplined foresight from all of us and from policy-makers in particular.

My greatest hope is that we will build a stronger and more united Europe, that we can prove to the world that our European way of life does not need to fear comparison with other political systems around the world. – Sven Simon –

Meine Sorge ist, dass wir eine Rückkehr zu nationalem Denken erleben werden. Natürlich müssen Politiker erst einmal dafür sorgen, dass die eigene Bevölkerung beschützt und gut versorgt ist. Aber man darf nicht vergessen, dass wir in den letzten Jahren in Europa deswegen so friedlich miteinander gelebt haben, weil wir so eng zusammengewachsen sind, und dass es uns nur deshalb so gut geht, weil wir international auch unsere Wirtschaft verflochten haben.

Meine Hoffnung ist, dass die Menschen sich auf die Solidarität im Gemeinschaftssinn besinnen und dass sie zu schätzen lernen, worauf sie jetzt gerade verzichten müssen: die Begegnung und den Austausch mit anderen Menschen, über den engsten Familienkreis hinaus, auch über das eigene Land hinaus. – Monika Schnitzer –

Timo Meynhardt

Meine größte Befürchtung ist, dass der Staat nicht in der Lage sein könnte, das Schutzversprechen wirklich einzulösen, und die Bürger die Geduld mit ihm und mit den Maßnahmen verlieren. Meine Befürchtung ist, dass Vertrauen in die Institutionen verloren geht und dass die Akzeptanz zu staatlichen Entscheidungen in dieser Krise selbst in eine Krise gerät.

Meine größte Hoffnung ist, dass wir uns wieder klarer darüber werden, was wir an unserem Staat haben, und dass wir die Verabsolutierung unserer individualistischen Selbstverwirklichung stärker hinterfragen. – Peter M. Huber – 

Die größte Befürchtung ist, dass die Corona Pandemie zu tiefgreifenden strukturellen Schäden, insbesondere in unserer Wirtschaft, führt. 

Die größte Hoffnung ist einmal, dass die große Solidarität zwischen den Menschen bestehen bleibt. Außerdem könnte diese Krise zu wichtigen Fortschritten in der Digitalisierung führen. Wir erleben dort jetzt gewaltige Entwicklungen, weil die Menschen darauf angewiesen sind. Und wenn es letztlich noch eine schöne Steuerreform geben würde, dann wäre ich glücklich. – Rudolf Mellinghoff –

Rudolf Mellinghoff

My greatest worry is about countries without health care for their poorer members. Sadly, this concerns not only countries that are poor overall, but also rich countries in which health care has been left to market forces alone. I am also worried about Europe: will there be enough solidarity, or will the selfishness of the richer countries lead to enduring damage or even a breakup?

I hope that our societies will take some lessons of the crisis seriously—that we all depend on each other, and that we depend in particular on health-care workers, supermarket cashiers, etc.—and make sure that these groups receive more recognition, and higher pay, after the crisis. The crisis is an opportunity to fundamentally rethink the role of work in society: who contributes what, how much wage inequality is justified? And how can we protect the most vulnerable members of society from exploitation and bad working conditions, not only during the current crisis, but permanently? – Lisa Herzog – 

Meine Befürchtung ist, dass natürlich all das, was jetzt immer wieder gesagt wird – „Wir lernen aus der Krise! Solidarität!“ – ein Jahr nach Ende der Krise wieder verloren ist. Ich fürchte, dass wir aus der Geschichte nichts lernen.

Meine größte Hoffnung ist, dass wir jetzt merken, auf was für einem fragilen Untergrund unser tägliches Leben aufgebaut ist, und dass wir uns für künftige Krisen bereits jetzt schon hinreichend wappnen. Die konkreteste meiner Hoffnungen ist die, dass wir jetzt endlich einmal ein Staateninsolvenzrecht in die Wege leiten. – Christoph G. Paulus –

Christoph G. Paulus
Fredrik Erixon

My greatest fear is that the political conclusion from this crisis is going to be that we all want to close our borders, that we want to stop enjoying the global freedoms that we’ve had in the past -freedoms to move across the world, to work across the world, to fall in love with different people across the world. I fear that we might descend a slippery slope towards authoritarianism, and that the mentality of people will be changed, that they will be fearful.

My biggest hope is that this crisis will help to wake people up, that we will begin to appreciate the good things in life, and that we will focus on problems that are important but have been neglected for a long while. This might be the badly-working framework of international organizations, but it might also be things such as loneliness, broken families, and mental health problems that we’ve seen growing alarmingly in many societies. – Fredrik Erixon – 

Meine größte Befürchtung ist, dass wir aus dieser Krise nicht genug lernen.

Meine größte Hoffnung ist, dass jeder Mensch lernt, aus eigener Verantwortung heraus sich positiv für die Zukunft zu engagieren, dass wir nicht immer die Probleme sehen, sondern die Chancen. – Arend Oetker –

Arend Oetker

The greatest fear is the return to nationalistic tendencies, going back to behavior that we really thought we’d overcome. We should be grateful for the last decades that were really a lot of flourishing and growth, at least for many countries in this world. We should not turn to inward-looking tendencies that are against all of these global achievements.

The hope is that some of the social distancing and geographical distancing has taught us that not everything we have been doing in terms of traveling and consuming was quite that urgent and important. – Anja Langenbucher –

My greatest fear is deglobalization like in the 1930s: a dystopic world of closed economic blocks and beggar-thy-neighbour policies such as barriers to trade, barriers to traffic, barriers to new ideas, and the pursuit of national greatness at the expense of others.

My biggest hope is that society will change, finding the courage to tackle issues that we believed were impossible to deal with. This includes, among other things, changing the energy base of our economies and strengthening civil society in the age of social media. Perhaps by using the skills and energy that we got from this crisis, there will actually be the political will to do something. – Albrecht Ritschl –

Ingolf Pernice

Die Befürchtung ist, dass die Solidarität und das Gefühl der Gemeinsamkeit irgendwann schwach werden. Das könnte die Gesellschaft insgesamt zerstören, auch für Zeiten, wenn die Krise einmal vorbei ist. Im schlimmsten Fall wird es dann eine andere Gesellschaft sein, die unsere schönen Prinzipien und Lebensformen nicht mehr wiedererkennen lässt.

Die Hoffnung ist, dass wir sehr eigenverantwortlich lernen, wieder ein Gemeingut, ein Allgemeininteresse zu verstehen – und uns dafür einsetzen, indem wir solidarisch handeln. Dabei würden alle gewinnen. – Ingolf Pernice –

Die Befürchtung, die ich habe, ist, dass die verantwortlichen Politiker im Gesundheitswesen nicht die richtigen Lehren ziehen werden. Die Qualität der Versorgung in der Krise hängt in erster Linie von gut ausgebildetem Personal in der Pflege, im ärztlichen Bereich und bei den Gesundheitsbehörden ab – dieses kann man nicht in wenigen Tagen aufbauen wie ein Container Spital, sondern es muss vorgehalten werden.

Ich hoffe, dass man sieht, wie wichtig und wie komplex die Gesundheitsversorgung einer Bevölkerung ist, und dass man letztendlich auch gar nichts anderes zur Verfügung hat als eben das Gesundheitssystem, um so einer Krise entgegenzutreten. Die Medizinischen Wissenschaften garantieren die adäquate Versorgung, die Entwicklung von Impfstoffen und Therapien und sind somit essentiell für das Funktionieren einer Gesellschaft und Volkswirtschaft. – Herbert Reitsamer –

Herbert Reitsamer
Gisbert Rühl

Meine Hoffnung wäre eine größere Solidarität, die sich jetzt auch an vielen Stellen zeigt.

Meine Befürchtung – vielleicht ist das aber auch die Realität – ist, dass wir unglücklicher Weise doch relativ schnell wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen. – Gisbert Rühl –

Meine größte Befürchtung ist die Verschärfung existierender sozialer Brüche, sozialer Ungleichheiten und sozialer Konflikte sowie ein dramatischer Anstieg der Wählerschaft von Rechtspopulisten. Wir sehen bereits, dass der Umgang mit der Corona-Situation soziale Konflikte verschärft. Irgendwann werden die Rechtspopulisten das nutzen.

Die größte Hoffnung ist eine nachhaltige Neustrukturierung der EU, um den laufenden Krisen – das ist ja nicht nur Corona, sondern auch das Klima, die Finanzen – demokratisch legitimiert gerecht zu werden und um gesellschaftliche Brüche zumindest ein Stück weit kleiner werden zu lassen. 

Ergänzung:

Als ich den Podcast vor einigen Wochen aufgenommen habe, war das Hilfspaket der EU noch nicht absehbar – das Paket entspricht meinem Hoffnungsszenario und ich begrüße es sehr. Es zeigt, dass die Handelnden in der EU die drohenden Gefahren gesehen haben und abwenden möchten. – Claudia Wiesner –

Claudia Wiesner
Stefan Oschmann

Ich sehe mit Sorge die große Staatsverschuldung, die irgendwann bezahlt werden muss. Wenn wir sehr viel Glück haben, gibt es wieder viel Wirtschaftswachstum. Aber ich glaube, dass es sehr große Verteilungsdiskussionen geben wird, wenn wir durch diese Krise einigermaßen durch sind. Und ich merke, dass da radikale Kräfte aus allen möglichen Ecken ganz negative Vorschläge machen.

Meine Hoffnung ist, dass wir dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, dieses Verständnis, dass wir alle voneinander abhängen, ein bisschen bewahren können. – Stefan Oschmann –

Meine Sorge ist die Mobilmachung unter den Krisenopportunisten. In der Krise fordern Wähler Lösungen. Da schlägt die Stunde der Interessengruppen: Sie bieten vermeintliche Lösungen an, die in erster Linie ihrer Interessengruppe dienen und für die Krise selbst gar nicht taugen. 

Die Krise hat uns gelehrt, dass persönliche Freiheiten, politische Freiheiten und wirtschaftliche Freiheiten keine Selbstverständlichkeiten sind und dass man diese Freiheiten nur haben kann, wenn man im Gegenzug bereit ist, individuelle Lebensrisiken zu tragen und zu ertragen. Meine Hoffnung ist, dass die Krise vielleicht zu einer Renaissance dieser Werte führt. – Kai A. Konrad – 

Jörn Leonhard

Meine Befürchtung ist, dass in all den Gesellschaften, die schon zuvor klare autoritäre Tendenzen zeigten und wo wir eine Renationalisierung beobachtet haben, die Corona-Krise zum Alibi wird, um solche Prozesse zu beschleunigen. Da wir in einer Welt leben, die stärker als jemals zuvor verflochten ist – wirtschaftlich, aber auch mit Blick auf geopolitische Stabilität – ist eine dortige Destabilisierung auch für uns von enormer Bedeutung.

Meine Hoffnung ist, dass die Menschen doch merken, was ihnen bestimmte Dinge wert sind. Dass wir jetzt in der Bundesrepublik eine intensive Diskussion um Grundrechte haben, hat auch damit zu tun, dass Menschen erfahren, dass diese nicht selbstverständlich sind. Meine Hoffnung wäre, dass Europa eine gemeinsame Antwort findet und dann auch eine gute Basis hat, um sich in der geopolitischen Gemengelage neu zu sortieren. – Jörn Leonhard – 

Meine größte Befürchtung besteht darin, dass der Egoismus der Kulturen umso größer werden wird, als man in der Tat nur mit kleinen Einheiten wie etwa nationalen, staatlichen Organisationen eine medizinische Versorgung zum Beispiel garantieren kann. Das heißt, reagieren können wir nur auf unserer lokalen Basis, mit unseren jeweiligen Versorgungssystemen, wir müssen aber die gesamte Menschheit im Blick behalten. 

Da die Corona-Krise weltweit gilt, wäre meine Hoffnung, dass die Einheit der Menschheit als miteinander in Beziehung stehende Versammlung der Geister – gegenwärtig wie historisch und auch zukunftsgetrieben – durch die Krise wächst, also dass die Zivilisation voranschreitet. – Bazon Brock –

Bazon Brock
Previous Focus 42/2020: C! Interview mit Jörn Leonhard

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