C! Spezial: In welche Blöcke zerfällt unsere Weltwirtschaft? – Gabriel Felbermayr

In diesem spezial C! Podcast zur Ukrainekrise spricht Corinne M. Flick mit Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Institutes für Wirtschaftsforschung (WIFO), zum Thema:
 

In welche Blöcke zerfällt unsere Weltwirtschaft?

Hier seine Gedanken in Kürze:

Kurzfristig hat Russland große Probleme mit der Umorientierung seiner Exporte von Erdgas und Erdöl … das Pipelinesystem ist massiv westorientiert.

(Gemessen am BIP) würde ein Decoupling langfristig zu einem sehr ungleich verteilten Schaden führen: in Russland um den Faktor 10 größer als in der EU. 
 
Als Handelspartner ist ein verarmtes Russland auch für Drittstaaten, die nicht zu der Koalition der Sanktionierenden gehören, wenig attraktiv.

Viele sehen schon einen sich senkenden “Eisernen Vorhang”, der Europa unterteilt … Dann gibt es aber auch noch einen dritten Block derer, die opportunistisch sind und überlegen, wie sie aus diesem Konflikt Profit schlagen. 

Wir sehen schon seit ca. 2010, dass die Globalisierung in eine “Slobalization” übergangen ist  – es gibt Zusammenarbeit, aber die Geschwindigkeit stagniert. Jetzt müssen wir erwarten, dass die Arbeitsteilung sich innerhalb der Blöcke, die sich gegenüberstehen, weiter vertiefen wird … Das kann sogar bedeuten, dass Deutschland mehr Handel treibt… In Summe sind das aber keine gute Nachrichten für die Lösung unserer großen Probleme: nicht für die Bewältigung der Armut in der Welt, nicht für die Bewältigung der Klimakrise. 
 
Die Gefahr einer Stagflation sehe ich dann groß, wenn das Ende der Gasimporte aus Russland kommt. 
 
Was passiert, wenn das Gas aus Russland nicht mehr fließt? Dazu hätte man eigentlich schon zu Friedenszeiten Stresstests machen müssen. Ich kenne keinen, deshalb ist die Unsicherheit so groß.
 
Die Frage ist, was wir bereit sind zu tun, um Putin in die Schranken zu weisen. In der Coronapandemie haben wir ganz bewusst eine Rezession in Kauf genommen … um die Volksgesundheit zu sichern. Wenn wir jetzt sagen, wir müssen mehr tun, um die Friedensordnung in der Welt und in Europa zu verteidigen, dann kann das eben auch teuer werden, bis hin zu einer Rezession. Das ist dann eine politische Entscheidung. 

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