#6 Monika Schnitzer – Wirtschaftliche Herausforderungen in der heutigen Krise

Corinne M. Flick spricht mit Monika Schnitzer, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der LMU, München, zum Thema: 

Wirtschaftliche Herausforderungen in der heutigen Krise

Hier ihre Aussagen im Auszug:

Was noch fehlt, und was man noch stärker ausbauen sollte, das sind Hilfestellungen für den Mittelstand, und zwar Hilfestellungen, die über Kredite hinausgehen. Warum? Weil Kredite alleine zwar Liquidität schaffen, aber nicht eine Insolvenzgefahr abwenden und möglicherweise die Gefahr mit sich bringen, dass man am Ende überschuldet ist.

Ich denke, wir müssen alles dafür tun, Arbeitsplätze zu retten. Die Frage ist immer, was ist das richtige Instrument. Ich hätte Sorge, wenn man Kartellrechtsfragen einfach beiseiteschiebt mit dem Argument, das rettet jetzt Unternehmen. Irgendwann ist die Krise vorbei, und wenn wir dann stark konzentrierte Märkte haben, wird dies möglicherweise den Aufschwung behindern.

Aus meiner Sicht spricht einiges dafür, dass man auf bestehende Instrumente – wie zum Bespiel den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) – zurückgreift. […] Man muss diese natürlich auf die konkrete Situation hin anpassen.

Welches Instrument man am Ende auch immer wählt – es ist aus meiner Sicht entscheidend, dass wir rasch eine europäische Lösung finden. Das ist nicht nur ein Gebot der Solidarität, es ist auch am Ende in unserem eigenen Interesse. Wir sind in Europa wirtschaftlich so stark miteinander verbunden, dass, wenn ein Land durch die Krise in die finanzielle Schieflage gerät, wir alle davon betroffen sind.

Meine Sorge ist, dass wir eine Rückkehr zum nationalen Denken erleben werden. Wir erfahren jetzt die Schließung der Grenzen. Das hat seine Berechtigung, seine Notwendigkeit, aber dieses Einigeln im eigenen Land kann auch dazu führen, dass die Solidarität innerhalb Europas, innerhalb der Welt, abnimmt.
 
Die Politiker müssen zuerst dafür sorgen, dass die eigene Bevölkerung beschützt und gut versorgt ist, das ist verständlich, das ist  ihre Pflicht. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass wir in den letzten Jahrzehnten in Europa deswegen so friedlich miteinander gelebt haben, weil wir so eng zusammengewachsen sind, und es uns auch nur deshalb so gut geht, weil wir international unsere Wirtschaft verflochten haben.

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