#11 Herbert Reitsamer – Ein Blickwinkel aus Österreich: Die Bedeutsamkeit des Gesundheitssystems

Corinne M. Flick spricht mit Herbert Reitsamer, Mitglied des obersten Sanitätsrates der Republik Österreich,  Klinikchef an der Uniklinik Salzburg sowie Neuro- und Sinnesphysiologe, zum Thema: 

Ein Blickwinkel aus Österreich: Die Bedeutsamkeit des Gesundheitssystems

Hier seine Aussagen im Auszug:

Es gibt für derartige Pandemien keine Experten. Da gibt es niemanden, der so etwas schon einmal gemacht hat. Alle, die im Nachhinein sagen, „man hätte besser …“, wären gut beraten, Bescheidenheit zu üben.

Man wird sich sehr deutlich überlegen, welche Investitionen im Gesundheitsbereich in Zukunft getätigt, und nicht getätigt werden sollen mit Blick auf die Folgen, die solche Entscheidungen auch für die Ökonomie und die Volkswirtschaft haben können.
 
Man sieht jetzt sehr deutlich, wie wichtig ein Gesundheitssystem auch für eine Ökonomie ist. Der Schaden, der jetzt durch mangelnde Gesundheitsversorgung, durch schlecht aufgestellte Gesundheitssysteme, entsteht, ist enorm.
 
Es wird in Zukunft wahrscheinlich sehr viel wichtiger sein, darüber nachzudenken, wie relevant Gesundheitssysteme für Ökonomien sind. Das ist etwas, was eigentlich nicht diskutiert worden ist. Es sind immer nur die Kosten [beleuchtet worden]. Was das Ganze leistet, sieht man erst, wenn es nicht funktioniert.
  
In jeder Krise liegt eben auch eine sehr große Chance, dass man etablierte Prozesse überdenkt, und dass man die Grenzen der Systeme erkennt, wenn diese herausgefordert und ausgelotet werden.
  
Ich denke, dass die Chancen für neue Entwicklungen und insbesondere für IT-Lösungen auch im Zusammenleben und im zwischenmenschlichen Bereich sehr genau angeschaut werden sollten, da liegen große Chancen. Umgekehrt darf man nicht den Fehler machen, dass wir zu viel Freiheit aufs Spiel setzen, wenn wir diese Wege gehen.
 
Das Wichtigste ist, dass Menschen sich überhaupt entschließen, [Tracking-] Apps zu verwenden – das hängt sehr stark vom Vertrauen der Bevölkerung in die Autoritäten ab.
 
Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen und Strategien. Ich denke, man kann noch sehr viel machen, bevor man zu den Apps übergeht und sich entscheidet, wie man nach dem Hammer den Dance gestaltet.
 
Ob jetzt eine App dann noch sehr viel Zusätzliches bringt, hängt einfach sehr stark davon ab, wie sich eine Bevölkerung verhält. Ob es notwendig sein wird, so etwas zu machen und in welchem Ausmaß, das kann man, glaube ich, nicht voraussagen.
 
Es ist jedenfalls wichtig, dass mit [Gesundheits-]Daten höchst sensibel umgegangen wird. Es heißt ja auch nicht umsonst, man geht zum Arzt seines Vertrauens. Und dafür, dass eine Regierung in etwa das gleiche Vertrauenslevel unter den verschiedenen Bevölkerungs- und Berufsgruppen erreicht, bedarf es wohl noch sehr vieler vertrauensbildender Maßnahmen.
 
Rücksicht ist etwas, was plötzlich zu einer wichtigen intrinsischen Eigenschaft in der Bewältigung einer Krise geworden ist.
 
Ich denke schon, dass wir dieses soziale Zusammenrücken, das Näherkommen, auch für die Zukunft mitnehmen können. Aber ich habe jetzt nicht die größte Hoffnung, dass das sehr, sehr lange anhalten wird, wenn es  wieder normal wird. Wir sind einfach anders gestrickt. Wir denken schon sehr gerne an uns selber.

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