#16 Jörn Leonhard – Wer bestimmt die Neuordnung der Welt? Währungen der Macht und die neue globale Unübersichtlichkeit

Corinne M. Flick spricht mit Jörn Leonhard, Inhaber des Lehrstuhls für Westeuropäische Geschichte an der Universität Freiburg und Autor von Die Büchse der Pandora: Geschichte des Ersten Weltkrieges (2014) und Der überforderte Frieden: Versailles und die Welt 1918 – 1923 (2018), zum Thema:

Wer bestimmt die Neuordnung der Welt?
Währungen der Macht und die neue globale Unübersichtlichkeit

Hier seine Aussagen im Auszug:

Es gibt ein Bewusstsein geteilter Risiken, aber es braucht häufig länger, bis es auch Reform-Initiativen gibt, die deutlich über das Ordnungsmuster des Nationalstaats hinausgehen.
 
Die Unübersichtlichkeit und Fluidität gilt nicht allein für die geopolitische Landkarte, sondern auch für die Landkarte der Werte. Mit dieser Verunsicherung spielt China.
 
Wir haben aus historischer Sicht andere Kapitalsorten, die für die Veränderung der geopolitischen Landschaften der Welt verantwortlich sind […] Es geht nicht mehr wie etwa im 18. oder 19. Jahrhundert um Territorium, sondern es geht um fluide Kapitalsorten. Es geht sehr stark um Finanzkapital, aber auch um Wissen, um Information, um Deutungsmonopole.  
 
Im Augenblick haben wir es mit einer sehr aggressiven Geschichtspolitik zu tun, sei es bei Putin, in China, aber auch bei Erdogan. Wir sehen hier, dass die Idee des Imperiums eine sehr große Rolle spielt.
 
Europa hat in gewisser Weise das Problem, dass es seinen Ort in dieser sich verändernden Welt der Multipolarität erst finden muss – und das in einer Phase, in der das Pazifizierungsmodell, das die europäische Integration so attraktiv gemacht hat, an ihre Grenzen stößt.
 
Wir erleben, dass die alten universalistischen Ideale so einfach nicht mehr funktionieren, und dass in anderen Weltregionen dieser westliche Universalismus auch als Arroganz begriffen wird.
 
Es gibt so etwas wie ein Weltbewusstsein von Risiken, aber die Risiken sind sehr unterschiedlich verteilt. An dieser Stelle kann es sein, dass eine Weltgemeinschaft für eine bestimmte Frist in einem bestimmten Bereich zusammenhält, dann aber auch sehr schnell wieder auseinanderrückt.

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