Die neue C! Edition: Teil II

in der neuen C! Edition Wie viel Freiheit müssen wir aufgeben, um frei zu sein? (2022) schreibt Corinne Flick:

“Meine Freiheit endet da, wo die Freiheit der anderen beginnt. Die Freiheit einer Generation endet, wo sie beginnt, die nächste Generation zu belasten. … Es geht um intertemporale Verantwortung, und zwar nicht nur in Bezug auf zukünftige Generationen, sondern auch in Bezug auf schwächere Nationen.”

Die Edition ist jetzt im Buchhandel sowie unter anderem bei Amazon und Wallstein erhältlich – auch als Ebook. Lesen Sie hier den zweiten Teil der Thesen unserer Autorinnen und Autoren:

Die Idee der »Freiheit« ist ein wirkmächtiges und zugleich facettenreiches Postulat. Im Mittelpunkt steht das Individuum, jedoch immer in einem größeren gesellschaftlichen Kontext. Um zu verstehen, wie man »Freiheit« erlangen kann, indem man sie aufgibt, gilt es, die »positiven« und »negativen« Begriffe der Freiheit auseinanderzuhalten und ihre individuellen und gesellschaftlichen Dimensionen näher zu betrachten.

Um die Stabilität des Welthandelssystems zu gewährleisten, braucht die EU neue defensive Instrumente. Wichtig dabei ist, das Ziel offener Märkte nicht aus den Augen zu verlieren, sonst kann sich die EU gemeinsam mit ihren Handelspartnern in einem Nullsummenspiel wiederfinden, in dem die wirtschaftlichen Freiheiten auf allen Seiten kleiner werden.

Die neue Rivalität der Großmächte USA und China ist für Europa die größte Herausforderung der kommenden Jahre. China wird zum Lackmustest auch der transatlantischen Beziehungen. Europäische Äquidistanz zu beiden Großmächten darf keine Option sein. Stattdessen bedarf es einer gemeinsamen China-Agenda von USA und Europäischer Union, die das Verhältnis differenziert: China als Partner, als Konkurrent und (in bestimmten Fällen) als Gegner.

Der oulipotische Schriftsteller Harry Mathews sagte mir einmal, dass sich die Freiheit manchmal in Einschränkungen findet: Indem man die Spielregeln ändert, kann man innerhalb dieser Regeln neue Freiheit finden. Die Frage »Auf wie viel Freiheit müssen wir verzichten, um frei zu sein?« bedeutet also, dass wir das, worauf wir verzichten, nicht als Verlust, sondern als Chance zur Gestaltung betrachten können.

Individuelle Mobilität bedeutet Freiheit, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Jetzt gilt es, individuelle Mobilität nachhaltig zu gestalten. Es braucht das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um Lösungen zu entwickeln, die den Menschen die Freiheit geben, nachhaltig zu leben, und die zu einem besseren Leben beitragen. Wenn das gelingt, ist Nachhaltigkeit nicht gleichbedeutend mit Verzicht. Nachhaltigkeit ist das neue Premium.

Wettbewerb zwingt Unternehmen, um ihre Kundinnen und Kunden zu konkurrieren, mit günstigen Preisen, guten Dienstleistungen, neuen Ideen und besseren Produkten. Wettbewerb erhöht die ökonomische Freiheit der Menschen, indem er ihre Wahlmöglichkeiten erhöht.

Um verschwenderische Lebensstile und Wirtschaftskreisläufe, fossile Brennstoffe und ein mörderisches Nahrungsmittelsystem hinter uns zu lassen, müssen wir ein großes integratives Meta-Narrativ und internationale Solidarität sicherstellen und auf die schweigende Mehrheit der Vernunft abstellen. Freiheit und ein stabiles Klima sind kein Widerspruch.

Um Europas Freiheitsmodell zu verteidigen, müssen die Europäer:innen handlungsfähig werden. Das braucht einen Paradigmenwechsel von der Binnenorientierung zur Weltorientierung und zur Legitimation einen echten Wettbewerb der Meinungen auf europäischer Ebene, eine gemeinsame Öffentlichkeit und eine Fokussierung auf die Themen, in denen die europäische Zusammenarbeit einen konkreten Mehrwert bringt.

Die Erkenntnisse der Neurowissenschaften und der Philosophie können die Gesetze der Physik nicht infrage stellen. Im Rahmen dieser Naturgesetze und der enormen Komplexität unseres Gehirns entstehen dadurch Spielräume und Möglichkeiten, die Voraussetzungen für die Existenz von freien Entscheidungen und letztlich einen freien Willen sind.

Eine Einschränkung der Redefreiheit birgt in sich die Gefahr, auch die Freiheit des Denkens einzuschränken. Ein liberaler Staat kann und darf bestimmte Formen der Meinungsäußerung verbieten, wenn sie tatsächlich Schaden verursachen. Aber der Staat sollte keinen Glauben erzwingen.

Grundrechte schützen Freiheit, also die individuelle Fähigkeit, zwischen verschiedenen Handlungsweisen zu wählen und  die Folgen der eigenen Entscheidung zu verantworten. Dabei gibt es zwei Seiten: Die klassische Seite zielt darauf, in der eigenen Entfaltung unbehelligt zu bleiben. Die neue Seite verlangt vom Staat, die Voraussetzungen der  Freiheitsentfaltung zu schaffen und zu schützen. Beide Seiten können in Konflikt geraten.

Der Blick auf das 19.  Jahrhundert sagt uns nicht allein etwas über die Variationsbreite von Freiheitsbestimmungen. Es verweist vor allem darauf, dass zur Bestimmung der Freiheit schon immer die Polarität und Verflechtung mit anderen Wertbegriffen gehörten – sie waren und sind eine Voraussetzung für die Dynamik von Freiheitsbegriffen, für ihre Hinterfragung, Anpassung und Neubestimmung.

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